Integrales Bewusstsein: Meine Sicht auf die Wahrheit

Kommt es nicht immer wieder vor, dass sich Menschen streiten, weil sie unterschiedliche Auffassungen davon haben, was „Die Wahrheit“ ist?

„Meine Wahrheit - Deine Wahrheit“, „Dies ist das einzig richtige, oder ist es doch eher das?“

Für mich ist es anstrengend, mit jemandem über ein Thema zu sprechen, der einen festen und starren Standpunkt hat. Nach meiner Ansicht gibt es verschiedene Perspektiven, die sind alle richtig, wenn sie als subjektiv kenntlich gemacht werden. Und alle zusammen machen die Wahrheit aus.

Probleme kommen auf, wenn subjektive Sichtweisen Einzelner oder auch einzelner Gruppen als objektiv dargestellt werden.

Mein Lieblingsbeispiel dazu:

Stell dir eine bunt bedruckte Tasse in einen Kreis von 20 Personen vor und bitte jeden, die Tasse zu zeichnen, so wie er sie sieht. Logisch – dabei kommen 20 verschiedene Bilder heraus. Bei 100 Personen 100 verschiedene usw. Und alle haben es richtig gemacht. Es würde auch niemand behaupten, dass der auf der gegenüberliegenden Seite etwas Falsches gemalt hat. Da ist es vollkommen klar, dass jeder nur seine Sicht auf die Tasse malen konnte. Dazu kommt, dass nicht jeder gleich gut malen kann. Auch das kann jeder andere verstehen und würde einen anderen nie als Lügner bezeichnen, weil das Muster auf der Tasse oder Licht und Schatten um die Tasse nicht richtig gezeichnet sind.

Geht es um das gesprochene Wort, sieht es schon ganz anders aus. Menschen nehmen ihre Sicht auf eine Sache oder einen Zustand als den einzig richtigen wahr. Andere können nicht so gut in Worte fassen, was sie wahrnehmen und wieder andere sind bei einer Beschreibung sehr emotional oder vermischen Beobachtung und Interpretation. Wer die Worte hört oder liest, bleibt auch nicht unbedingt sachlich, fühlt sich getriggert oder interpretiert unklare Formulierungen nach seinen eigenen inneren Bildern dazu. Das führt schnell zu Missverständnissen und Auseinandersetzungen. Dabei geht es oft nicht mehr darum, die Wahrheit zu finden, sondern seinen Standpunkt zu behaupten, um Rechthaben wollen, Macht und andere Arten von Ego-Befriedigung.

Für mich ist Wahrheit etwas, dass sich aus allen nur möglichen Perspektiven zusammensetzt. Das kann nur der „liebe Gott“. Was wir Menschen können – nach meiner Ansicht – ist, der Wahrheit so nahe wie möglich zu kommen.

Was nach meiner Ansicht hilft, dieses Ziel zu erreichen, ist das Bemühen um klar formulierte Aussagen, erkennen, dass jede Sicht ein Teil der ganzen Wahrheit ist und dass jeder Beitrag wertvoll ist. Bei den Formulierungen ist es hilfreich, dazu zu sagen, ob es sich um die eigene Sicht handelt oder um eine Aussage, die wissenschaftlich überprüft ist. In dem Fall ist eine Quellenangabe sinnvoll.

Den nächsten Stolperstein sehe ich darin, dass keiner perfekt ist. Ich sehe es so, dass sich jeder bemüht, sein Bestes zu geben, dass aber Fehler auftreten können. Dann ist es eine Sache des Respekts, den anderen höflich darauf aufmerksam zu machen, so dass er den Fehler überprüfen und sich ggf. selbst daran weiter entwickeln kann. Es können dabei auch spannende Diskussionen entstehen, an der alle wachsen können, wie z.B. in Facebook-Gruppen. Dann profitieren auch die, die einfach nur Mitlesen.

Wahrheit ist also meines Erachtens nicht zu 100 % zu erlangen, aber es ist möglich ihr sehr nahe zu kommen. Um dieses Ziel friedlich zu erreichen ist es notwendig, alle Perspektiven anzuerkennen und als Teil der ganzen Wahrheit zu berücksichtigen.

Das ist die Sicht aus dem „Integralen Bewusstsein“ heraus,  vereinfacht dargestellt. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, hier ein Buch zum Thema: „Spiral Dynamics“, von Christopher C. Cowan und Don E. Beck

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