Gesunde Pferde - Glückliche Reiter, Entstehung des Buches, Teil 3

 

„Offenstall, statt Boxenhaltung… reicht das schon?“

Klaus Ferdinand Hempfling sagt in der Pferdekonferenz von Antoinette Hitzinger, dass

...die Probleme der Pferde viel gravierender sind, als es die Menschen, die mit den Pferden zu tun haben, überhaupt nur ahnen.

...und dass die gesamte Verbindung zu Pferden, das Wissen der Halter, die Gesundheit der Pferde, die Pflege usw. sich in den letzten 30 Jahren erheblich verschlechtert hat.

Es sollte in dem Buch über Pferdehaltung darum gehen, den Lesern zu verdeutlichen, warum Pferde nicht in Boxen, sondern in Offenställen leben sollten. So war die ursprüngliche Anregung, u.a. von einem Tierschutzverein, der sich zurzeit besonders um Pferdehaltung bemühten wollte. Also druckte ich mir all die wissenschaftlichen Untersuchungen zu dem Thema aus, die ich bekommen hatte – zwei dicke Ordner voll! Was ich darin lesen musste, hat mich schwer getroffen. Es fing damit an, dass die Wissenschaftler für ihre Untersuchungen, die mal bundesweit und mal nur in Niedersachsen stattfanden, nach dem Zufallsprinzip Pferdeställe ansprachen, an der Untersuchung teilzunehmen. Grob gesagt haben nur die Hälfte der Stallbetreiber zugesagt. Es gab Stallanlagen, die in einem so schlechten Zustand waren, dass gleich das Veterinäramt eingeschaltet wurde. Bei anderen Ställen wurde vermutet, dass die Betreiber schon deswegen nicht mitmachen wollten, weil sie glaubten, all den Fragen nicht standhalten zu können oder dass offensichtlich war, dass viele Pferde Verhaltensstörungen und andere haltungsbedingte Krankheiten hatten.

Es waren also die Stallanlagen in den Untersuchungen präsent, die zu den besseren gehörten. Umso erschreckender waren die Ergebnisse. Unsere Pferdehaltung in der heutigen Zeit hat dazu geführt, dass das Durchschnittsalter der Pferde bei 7 bis 8 Jahren liegt. Nach dem 2. Weltkrieg waren es noch 20 Jahre und da haben die Pferde in Ständern gestanden. (Erreichbar sind 30 Jahre und mehr.)

Also was hat sich geändert?

Die Bewegung durch den Menschen hat sich geändert. Während die Pferde früher oft ganztägig vom Menschen genutzt wurden, wie in der Landwirtschaft und entsprechendes Futter für die schwere Arbeit bekommen haben, werden sie heute bei gleichbleibender Fütterung nur max. eine Stunde am Tag bewegt und das oft nicht so, dass es der Gesundheit des Pferdes dienlich ist. Unterm Strich konnte ich feststellen, dass ein Grundverständnis von den Bedürfnissen der Pferde verloren gegangen war. Und davon konnte ich mich zu diesem Zeitpunkt nicht ausschließen. Dachte ich noch, ich hätte mit 30 Jahren reiterlicher Erfahrung das Wesentliche mitbekommen, musste ich erkennen, dass das nicht ausreichte. Nur weil viele Pferde so gehalten wurden, wie ich es erlebt habe, heißt das noch lange nicht, dass es das Beste für das Pferd ist.

Tag für Tag saß ich am Schreibtisch, mit Lineal, Kuli und Textmarker bewaffnet und kämpfte mich durch diese wissenschaftlichen Arbeiten. Es war kein Vergnügen und ich musste zwischendurch längere Pausen einlegen. Das war nicht einfach zu verkraften für mich. Überall, wo ich Pferde sah, sah ich auch deren Leid. Pferde auf Weiden? Schön, dass sie da überhaupt waren, aber oft ganz allein und total verfettet. Die anderen bekam ich eh nicht zu Gesicht und auf Turniere mag ich schon lange nicht mehr gehen. Mit dem Stress dort konnte ich noch nie gut umgehen, so bin ich auch nur selten mitgeritten.

Ein Aspekt, der mich überrascht hat: Pferden in Offenstallanlagen geht es nicht automatisch besser, als Pferden in der Boxenhaltung. Das liegt zum einen an dem Offenstall selbst, aber auch daran, wieviel Bewegung die Pferde neben ihrem Freilauf haben. Hatte ich bis dahin angenommen, wenn Pferde auf größeren Flächen gehalten werden, bewegen sie sich mehr, wurde ich eines besseren belehrt. Pferde brauchen Bewegungsanreize. Ohne die stehen sie rum, und zwar fast genauso viel, wie in einer Box. Die Luft zum Atmen ist natürlich besser, als in einem Stall, aber viel mehr ist es noch nicht unbedingt, was besser ist. Sozialkontakte? Vorhanden, aber ob die so gut sind? Die Herdenkonstellation spielt eine große Rolle, was das Wohlbefinden eines Pferdes anbetrifft. Und die Bewegung durch den Reiter, wenn es denn einen gibt? Noch nicht viele Offenställe haben eine Reithalle. Kleine Ställe haben oft noch nicht einmal einen Reitplatz. Freizeitpferde werden oft nicht regelmäßig bewegt, weil die Besitzer glauben, dass sich die Pferde genug bewegen, da sie ja Platz haben. Dem ist nicht so. Das haben Studien ergeben. Viele dieser Pferde leiden an Trageschwäche. Ihnen fehlt mangels Bewegung die Muskulatur, sich selbst zu tragen, geschweige denn das Reitergewicht.

Beim Lesen dieser wissenschaftlichen Untersuchungen wurde ich überhäuft mit schlechten Nachrichten. Ich merkte schnell, dass ich kein Buch schreiben wollte, in dem es einfach nur darum ging, Pferde aus Boxen zu befreien. Ich wollte das Ganze erfassen. Außerdem hatte ich in meiner reiterlichen Laufbahn genügend Pferde kennengelernt, die durchaus Zeiten in Boxen verbrachten und trotzdem gesund und sehr alt waren. Überlebenskünstler? Nein, da musste noch etwas anderes sein. Das wollte ich rausfinden. Ich ließ alle anderen Aktivitäten, die mich bis dahin beschäftigt hatte, fallen und kümmerte mich nur noch darum. Diese wunderbaren Tiere, die mir so viel gegeben haben, haben es verdient, jede nur denkbare Unterstützung zu bekommen, dass sie ein besseres Leben führen dürfen. Dazu beizutragen, wurde mir zu einem sehr dringenden Herzenswunsch. Ja, ich brenne dafür! Dass es so lange dauerte, bis das Buch endlich fertig wurde, damit hatte ich nicht gerechnet. Aber es kamen auch erfreuliche Überraschungen auf mich zu. Davon mehr in den nächsten Teilen.

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