Aufstellungsarbeit: Vom „Türsteher“ zum Schoßhund

Neulich rief mich Marlene P. aus einem Nachbarort an. Sie erzählte mir von ihrem 3-jährigen, kleinen Hund, der ihr gebracht wurde mit der Bitte, dass sie ihn übernimmt, da er ansonsten eingeschläfert werden würde. Da war der Hund gerade zwei Jahre alt. Er war von seiner ersten Besitzerin schon einmal gerettet worden, als sie beobachtete, wie schlecht die Züchterin ihre Welpen behandelte. Als Niki eineinhalb Jahre alt war, fiel sein Frauchen in ihrer Wohnung tot um und er saß den ganzen Tag bei ihr, bis abends die Tochter kam. Sie nahm den Hund zu sich und ihrer Familie. Sie lebte bei ihren Schwiegereltern mit Mann und neugeborenem Kind. Die Schwiegereltern befürchteten, dass Niki ihren Enkel beißen könnte, da er häufig knurrte und sich insgesamt in seine neue Situation nicht einfügen konnte. Niemand hatte Zeit oder auch genügend Kenntnisse, um ihn zu unterstützen. So wurde er einfach weggesperrt, bis sich die Tochter schweren Herzens entschloss, das einzige, was sie von ihrer Mutter hatte, wegzugeben. Marlene, eine hundeerfahrene Frau Anfang 70 übernahm ihn, jedoch war Niki weiterhin schwierig. Auch sie wurde häufig von Niki angeknurrt. An Spazierengehen ohne Leine war nicht zu denken und wenn sie wieder ins Haus kam, blieb Niki an der Tür sitzen bis zum nächsten Spaziergang. Wenn Marlene ihn aufhob, um ihn zu sich ins Wohnzimmer oder einen anderen Raum mitzunehmen, knurrte er ebenfalls und sie befürchtete, dass er eines Tages zuschnappen würde. Eine gute Bindung hatte der Hund nicht zu ihr. Ursprünglich bat sie mich um eine Tierkommunikation. Da sie aber nicht weit weg wohnte, schlug ich ihr vor, zu einem Abend „Aufstellungsarbeit mit Tieren“ zu kommen.

So kam sie wenige Tage später. Das Resultat dieser bewegenden Aufstellungsarbeit war, dass Niki nur noch fünf Minuten an der Tür sitzt und sich dann in der gesamten Wohnung entspannt und freundlich bewegt. Er ist sehr anhänglich geworden und kuschelt sich am liebsten auf Frauchens Schoß ein.

Was ist passiert in dieser ca. 30-minütigen Aufstellung?

Wir sind eine Gruppe von fünf Personen. Marlene suchte sich eine Stellvertreterin für Niki aus, eine für seine Vergangenheit und eine für sich selbst. Es ist in einer kleinen Gruppe nicht möglich, für jede beteiligte Person einen Stellvertreter aufzustellen. So kann vereinfacht auch eine Person für alles Vergangene aufgestellt werden. Es wurde klar, dass die Stellvertreterin von Niki keine gute Verbindung zu seiner Vergangenheit hatte. Das war zu erwarten. Wir kamen aber erst weiter, als wir einmal Marlenes eigene Vergangenheit aufstellten, die – ohne dass wir Details besprechen mussten – ebenfalls Dramen beinhaltete. Marlene hatte sich noch nie damit auseinandergesetzt. Jetzt hatte sie die Gelegenheit, einmal hinzuschauen und den Schmerz zu sehen, den ihre Stellvertreterin an ihrer Stelle hatte. Mehr brauchte es nicht. Es war nicht das Thema, an Marlenes schlimmen Erfahrungen zu arbeiten. Dann kamen wir zurück zu Nikis Aufstellung und siehe da, es kam Bewegung hinein. Nikis Stellvertreterin sagte plötzlich, sie wolle das verstorbene Frauchen noch einmal sehen. Ich stellte mich als Stellvertreterin an ihre Position und gab der Stellvertreterin von Niki die Gelegenheit, sich zu verabschieden. Danach konnte sich Nikis Stellvertreterin seinem jetzigen Frauchen ganz zuwenden. Und auch die Stellvertreterin von Marlene, die vorher nicht so recht zu ihrem Hund schauen wollte, konnte sich jetzt ganz auf ihn einlassen.

Das Ergebnis zeigte sich schon am nächsten Tag ab und die Bindung der beiden besserte sich innerhalb von wenigen Tagen maßgeblich.  Eine Interpretation ist beim Familienstellen generell nicht notwendig. Hier kann aber vermutet werden, dass Niki noch getrauert hat und an der Tür saß, um zu seinem ersten Frauchen zurückzukehren. Natürlich soll ein Hund nicht vermenschlicht werden. Jedoch sind sich viele Hundehalter und auch andere Tierhalter einig, dass ihre Liebsten eine Seele haben und diese reagiert auf die Lebensumstände. Beim Familienstellen wird auf einer höheren Bewusstseinsebene gearbeitet. Anders ausgedrückt wirkt das Familienstellen auf das Unterbewusstsein und arbeitet dort noch lange weiter, selbst dann, wenn wir schon längst mit anderen Themen beschäftigt sind. Es gibt keine allgemeingültigen Definitionen von Begriffen, wie Seele, Bewusstsein etc. Die Naturwissenschaft steht vor Rätseln und unerfassbaren Erfahrungen. So ist diese Erfahrung eine, die sich zu tausenden von solchen erfreulichen Erfahrungen bei der Aufstellungsarbeit hinzugesellt.

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